Brief des Gefangenen
Das Papier ist mit großen, aber akkuraten Buchstaben beschrieben. "Ich weiß, dass einige von euch das hier lesen werden, Sterbliche. Deshalb schreibe ich in eurer Sprache. Ich habe sie aus anderen Gründen erlernt, aber ich will ganz offen sein. Macht euch die Dunkelheit Angst? Fühlt ihr euch allein? Wie viele Zeugnisse des Todes werdet ihr finden, bis auch euch der Tod ereilt? Das ist mein Brief. Ich bin euer schlimmster Albtraum, Sterbliche. Ein Seelenjäger und Sklave der mächtigen Reiter. Ich nehme mir euer Leben und alles, was danach kommt. Nur ein wahrhaft kühner Magier fordert jemanden wie mich heraus. Und dank eines solchen Narren bin ich in den Schattentiefen gefangen. Er hält sich für meinen Meister, und noch habe ich diese Illusion nicht zerstört. Ich gehorche allein Abaddon und den Reitern, obschon ich hier in Ketten liege. Er weiß viel, mein "Meister", der sich selbst als Fänger bezeichnet. Er hat jede Stufe und jede magische Aura in diesem Gewölbe studiert und sagt, er hätte ein schreckliches Geheimnis entdeckt. Er schrieb dieses Geheimnis auf zwei magische Ringe. Einen davon gab er mir. Ein seltsamer Mann, dieser Sterbliche. Ich wollte ihm sein Geheimnis stehlen und bat ihn, mich die Sprache der Sterblichen zu lehren. Doch leider trägt mein Ring nur das halbe Geheimnis, das ohne die Inschrift auf dem Ring des Fängers keinen Sinn ergibt. Er weiß viel, mein "Meister", aber nicht alles. Er ahnt nicht, dass ich einen Weg gefunden habe, mich aus seiner Gewalt zu befreien. Ich warte nur darauf, dass er mir das Wachen überlässt und zu Bett geht. Dann wird sich der Zauber, der mich bindet in Wohlgefallen auflösen. Eure Seele, "Meister", wird ein köstliches Festmahl für mich sein. Aber ich werde es nicht zur Gänze auskosten. Viele andere sind in diesem Gewölbe gestorben, die meisten in ewiger Gefangenschaft. Sie können diesen Ort nicht verlassen und halten für alle Zeit Wache. Die Macht der Brut ist so groß, dass sie sich selbst über die heiligen Gesetze Pharasmas und die Macht der anderen Götter hinwegsetzt. Mich plagt ein seltsamer Gedanke, seit ich das Geheimnis meiner Freiheit kenne. Wenn ich zuerst Euch töte, "Meister", und danach mich selbst, werden wir genau wie all die anderen ewige Gefangene dieser Tiefen sein. Und nicht einmal die mächtigen Reiter, die Herrscher Abaddons und meine wahren Meister, werden in der Lage sein, mich hier zu erreichen. Ich werde mit Euch für immer hierbleiben. Wer von uns beiden ist nun der Fänger und wer der Gefangene?"
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