"Die letzte Versuchung des Paladins" von Noel Lionel

"Erschöpft fiel Ugumash mit müdem Grunzen in die zerwühlten Betttücher. Schweiß lief seine Stirn hinab und in seine Augen, die bereits geschwollen waren vor Ermattung und Strapazen. Oder waren das Tränen? Schweiß wäre ihm lieber – die würzige Ausdünstung eines Kriegers und Mannes. Noch besser wäre Blut – das Blut seiner Feinde, rot und heiß, vergossen inmitten eines ungestümen Kampfes. Aber die Realität entsprach nicht seinen Wünschen und versuchte, ihn von etwas zu überzeugen, das er nicht akzeptieren konnte: Er lag auf den Seidenlaken und schmachtete vor Lust wie ein bartloser Jungspund. Er konnte nur unverzüglich vom Bett aufspringen und dieser Nymphe entfliehen, die ihn mit einem Zauber betört hatte, wie ihn nur die lüsternsten Frauen beherrschen. Ugumashs leerer Magen wand sich vor Hunger. Ja, genau das brauchte er jetzt! Er würde nach unten in die Taverne gehen und genussvoll ein großes Stück verschlingen. Der Halbork saß auf der Bettkante, spuckte verächtlich klebrige Spucke auf die bereits ruinierte Diele und blickte dann seine Beute an. Elieira! Diese verdammte Hexe! Die langbeinige, kurvenreiche Elfe war völlig nackt, ihr Haar von einem Knochendrachen zusammengehalten. Sie lag auf dem Bett, und ihr Finger zeichnete komplexe Muster auf ihren unersättlichen Körper. Die Gesten winkten Ugumash herbei und vernebelten seinen Verstand. Er konnte nicht mehr denken, und er wusste nicht mehr, welcher Teil seines Körpers gieriger nach Befriedigung schrie. 'Ich habe so einiges über Halborks gehört', sagte Elieira und goss damit weiteres Öl ins Feuer. 'Aber soweit ich das beurteilen kann, sind selbst die Besten von ihnen nicht in der Lage, dem mächtigen Irovetti das Wasser zu reichen. Es hat den Anschein, als gebe es nach Seiner Majestät in meinem Bett keine weiteren Wunder mehr. Wahrscheinlich muss ich mich von nun an mit bloßen Schatten zufriedengeben. Aber keine Sorge, mein Krieger ...' Ugumash hatte kaum Zeit, über Elieiras Worte zu sinnieren, als die üblichen Geräusche aus der Taverne erstarben, wie mit einer Axt durchtrennt. Purer Instinkt ließ Ugumash nach dem Krummschwert greifen, das unter der Kleidung auf dem Boden lag, und einen Moment später wurde die Tür zum Zimmer aufgestoßen, und ein bedrohlicher Schatten stand auf der Schwelle. Ugumash hatte seine Waffe in der Hand, richtete sich auf und musterte den Fremden von oben bis unten. Schatten machen Halborks keine Angst – vielmehr lässt ihr eigenes Erscheinen andere erzittern. Der Fremde, in staubige Lumpen gehüllt, trat ihm entgegen. Die Augen unter seiner Kapuze blitzten zornig, aber das Schwert in seinen Händen glitzerte noch viel grandioser. Der Halbork erkannte Albaldirs Vergeltung sofort – wie sollte er auch nicht? Doch wie war es in den Besitz eines Landstreichers gelangt? Es gelang dem Halbork nicht, die Tragweite der Situation zu erfassen, aber an Antworten war ihm akut ohnehin nicht gelegen – mit einem Kampfschrei erhob er seine Waffe und stürmte auf den Eindringling zu ..." "

Kosten
55 gp
Gewicht
2 lb
"Die letzte Versuchung des Paladins" von Noel Lionel - Kingmaker