Die Zeitschrift "Unabhängigkeit"
"Habt Ihr je davon geträumt, ein Baron zu werden? Es ist gar nicht schwer. Ihr müsst lediglich in die Raublande gehen – ein winziges Gebiet zwischen Brevoy und den Flusskönigreichen und seit vielen Jahren Gegenstand eines Streits zwischen den beiden. Endlose Meilen von Wäldern, Sümpfen und unfruchtbarem Lehmboden, alles voller Monster und Banditen. Es ist ein Kreuz mit dem Land. Man kann nichts damit anfangen, kann es aber auch nicht aufgeben und dem Nachbarn überlassen. Viele Jahre lang haben die Schwertfürsten von Restov jedem einen Titel versprochen, dem es gelingt, in diesem gottverlassenen Land zumindest annähernd Ordnung zu etablieren. So lösen Herrscher eben für gewöhnlich ihre Probleme. Es gibt unzählige abenteuersuchende Gesellen auf der Welt und man findet immer eine naive Seele, die mutig genug ist, ihr Leben ohne Vorauszahlung zu riskieren. Viele haben den Köder geschluckt ... ihre von der Sonne gebleichten Knochen säumen noch immer die Ufer der schlammigen Seen und liegen in Haufen unter knorrigen Bäumen. Ihr könnt Euch vorstellen, wie erstaunt ich daher war, als jemandem das Unmögliche gelungen ist – das Geweih eines örtlichen Tyrannen zu zerbrechen, der sich den Hirschkönig nannte, und die Festung des Banditen in die Hauptstadt einer neuen Baronie zu verwandeln. Natürlich bin ich sofort aufgebrochen, um mit eigenen Augen zu sehen, wem es gelungen war, die Raublande zu zähmen. Sind wir mal ehrlich – die Erfolge des neuen Barons sind noch recht überschaubar. Mein Brief kam nicht rechtzeitig an (ich hoffe, der Kurier, der ihn überbringen sollte, ist wohlauf). Da mich niemand in Empfang nahm, entschied ich, allein in die Hauptstadt zu reisen. Ein strategischer Fehler, denn der Straßenbau in der Baronie funktioniert noch schlechter als die Post. Nachdem ich mich durch den Schlamm und die vom Wind gefällten Bäume gekämpft hatte, entkam ich bei der Furt am Fluss nur knapp dem Tod durch Ertrinken. Das Einzige, was mich noch antrieb, war die Vorstellung, wie erfreut der Baron sein würde, wenn ich ihm von der wundersamen neuen Erfindung der Wissenschaft berichten, die man "Brücke" nennt. Zu allem Unglück sprang auch noch eine Horde hungriger Kobolde aus dem Unterholz. Doch gerade, als ich mich von meinem Leben verabschieden wollte, tauchte plötzlich der Baron höchstselbst aus den Wäldern auf, wehrte die Unholde allesamt ab und half mir, wieder auf festen Boden zu kommen. Wie sich herausstellte, hat der Baron einen guten Grund für die Vernachlässigung der Straßen und Brücken: während sich seine Hauptstadt im Bau befindet, lebt er auf der Straße und patrouilliert mit Hilfe seiner Gefährten das Reich und fügt der hungrigen örtlichen Fauna (möge die Pest sie dahinraffen) beträchtlichen Schaden zu. Trolle, Boggards, Irrlichter und Riesenspinnen behindern die Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur wirklich sehr. Ich habe dem Baron angeboten, mit Rat und Tat zu helfen – Ihr könnt allen ins Gesicht spucken, die sagen, Jubilost könne nur kritisieren. Ihr könnt auch selbst Euer Glück probieren. Der Herrschertitel ist zwar bereits vergeben, aber die junge Baronie bietet noch reichlich Gelegenheiten für Arbeiter und Söldner. Wiederholt nur nicht die Fehler Eurer Vorgänger – lasst Euch im Voraus bezahlen! Und alle, die es vorziehen, gefährliche Abenteuer in wilden Ländern nur in Schriftform zu erleben, sehe ich in der nächsten Ausgabe wieder."
- Kosten
- 10 gp
- Gewicht
- 1 lb
