Kestens Brief

"Euer Gnaden, bitte verzeiht mein plötzliches Verschwinden. Mir schien, unter Eurem Volk wäre ich von größerem Nutzen als am Hof. Die Leute haben Angst, Euer Gnaden. Sie glauben, dass sie vergessen wurden, dass ihr Herrscher sich keinen Deut um das einfache Volk schert, obwohl tagtäglich Leute sterben. Sie versammeln daher alle, die eine Waffe halten können, und wollen die Dinge selbst in die Hand nehmen. Ein wilder Mob kann gefährlich sein, und Ihr habt schon genug Sorgen. Glücklicherweise konnte ich diese Leute überzeugen, dass ich auf ihrer Seite stehe. Letztlich habe ich beschlossen, diese Miliz anzuführen, damit ich sofort Bescheid weiß, wenn die Leute etwas Neues erfahren – und um sie daran zu hindern, übereilte Entscheidungen zu treffen. Ich habe schon früher Truppen angeführt, und Eure Untertanen betrachten mich als einen von ihnen. Daher vertrauen sie mir und sind bereit, mir zu folgen. Ich habe Euer Schloss schweren Herzens verlassen, allerdings in der Hoffnung, unter den einfachen Leuten den Ursprung der Krankheit zu finden, die Eure Baronie heimsucht. Kürzlich wurde ich informiert, dass einer der Trupps, die die Randgebiete der Kamelande erforschen, auf einen mysteriösen Schrein gestoßen ist. Unsere Spione berichten, dass sich am Ende jeder Woche Kultisten dort versammeln, um der dunklen Göttin Lamashtu zu huldigen, der Schutzherrin allerlei grauenhafter Kreaturen. Ich weiß wenig von den Göttern und ihren Angelegenheiten, doch das Erscheinen der Mutter der Monster und ihrer Anhänger in einem Land, in dem es von Ungeheuern wimmelt, kann wohl kaum ein Zufall sein. Sobald ich diesen Brief fertiggestellt habe, werde ich einen Trupp meiner besten Männer dorthin führen und auf Eure Ankunft warten. Ich bitte Euch um Hilfe, Euer Gnaden, denn ich werde sie brauchen, um diesen Abschaum zu vernichten. Wer weiß – vielleicht gelingt es uns, einen der Kultisten lebendig zu ergreifen und herauszufinden, ob sie und ihre Göttin hinter der Unbill stecken, die Eure Baronie peinigt. Euer treuer Diener Kesten Garess"

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