Labor-Tagebuch

"Bin in die Wälder gegangen. Fand viele Wurzeln, Tannenzapfen, Blumen – und ein totes Eichhörnchen. Aber das nützt mir alles wenig! Ich muss mir überlegen, wo ich seltenere Zutaten für meine Experimente finden könnte. ... Als ich in den Wäldern war, haben einige Waschbären meine Hütte verwüstet. Mein ganzes Glas ... nur noch Scherben. Alles, was geblieben ist, sind zehn Glasröhrchen mit flachem Boden, fünf Kolben mit rundem Boden, einige Porzellanmörser, drei Stößel und die wertvolle Spirale. Ein Glück, dass die Töpfe noch alle da sind. So viele gute Chemikalien vergeudet! Eine Schande ist das! Ich muss alles in den Schrank sperren. ... Wollte heute das Experiment abschließen, das ich im alten Labor begonnen hatte. Habe dazu das Bleipulver aus der Kiste des Meisters benutzt. Nach der Kristallisierungsphase schäumte die Flüssigkeit auf, wechselte die Farbe und lagerte sich dann ab. Wieder ein erfolgloses Experiment – und mein Vorrat an unerlässlichen Materialien ist fast aufgebraucht. ... Habe mit einer Schlingenfalle einen Waschbären gefangen. Konnte das Mistvieh aber nicht rechtzeitig zur Hütte bringen. Vielleicht sollte ich einige Jäger bitten, mir bei der Jagd nach Subjekten für meine Experimente zu helfen? Aber ich muss Geld sparen. Abgesehen davon sehe ich, wie mich diese Bauernlümmel anglotzen. Als hätte ich Hörner! ... Dritter Versuch hinsichtlich des Kristallisierungsexperiments. Habe den letzten Kolben mit rundem Boden zerbrochen. Mein Lehrmeister hatte mich seinerzeit einmal als Tollpatsch bezeichnet. Vielleicht hatte er ja recht. Aber trotz allem hat er mir viel beigebracht. Ich frage mich nur, warum er nicht wollte, dass ich meine Fähigkeiten weiterentwickle. Wollte er nicht, dass ich – von einfachen Trankrezepten abgesehen – etwas lerne? Er hat immer gesagt, ich wäre noch nicht so weit, aber die Wahrheit ist, dass er befürchtete, der Schüler könnte den Lehrer überflügeln, und das aus gutem Grund. Ich werde beweisen, dass dieser Prozess funktioniert. Allen werde ich es beweise. ... Heute kam eine alte Frau aus dem nahe gelegenen Dorf zu mir und bat mich, dafür zu sorgen, dass ihre Ziegen mehr Milch geben. Ich musste ihr helfen, weil ich dringend Geld brauche. Oh, warum muss ich meine Zeit für so etwas vergeuden? ... Langweilig, langweilig, LANGWEILIG!" Es folgen einige unbeschriebene Seiten, ehe der nächste Eintrag folgt. "Beobachtung Tag 1 Endlich. Ich habe endlich eine Chance, die ich mir nicht entgehen lassen darf. Ich fand in den Wäldern eine sterbende Elfin. Sie hat kaum noch geatmet und war über und über von emsigen Ameisen bedeckt. Wer ist sie? Was ist ihr zugestoßen? Egal: Das ist die Gelegenheit, auf die ich gewartet habe. Es gelang mir mit Mühe, sie zur Hütte zu schleifen. Dort zog ich sie aus und versteckte sie hinter den Säcken in der Ecke. Ich bin es leid, meine Talente mit Bagatellen zu vergeuden. Es wird Zeit für große Taten! Ich habe das größte Glasröhrchen aus der Kiste des Meisters benutzt; das mit der Warnung "Bei Hautkontakt umgehend abwaschen"! Ha! Als würden solche Warnungen irgendjemanden interessieren. Ich verteilte die Flüssigkeit gleichmäßig auf ihrem Leib und begann mit der Aufzeichnung meiner Beobachtungen. Beobachtung Tag 3 Das Subjekt hat überlebt. Ich musste sie allerdings fesseln und knebeln. Ihr Stöhnen hätte sonst womöglich unerwünschte Aufmerksamkeit erregt. Ihre Haut verändert sich, aber ... es ist schwierig, diese Veränderung exakt zu definieren. Die erste Phase eines Fäulnisprozesses vielleicht? Die behandelten Körperstellen riechen seltsam. Beobachtung Tag 5 Die Veränderung geht weiter ... schneller und schneller. Die Epidermis ist mittlerweile verfault, die Gelenke sind angeschwollen und schwielig. Außerdem hat das Subjekt Fieber. Beobachtung Tag 9 In den letzten Tagen ist auf den Beinen des Subjektes Moos und Schimmel gewachsen. Ihre Finger und Zehen werden länger und krümmen sich ... als würde sie mit dem Boden verwachsen? Ich sollte das Subjekt nach draußen bringen. Das Experiment erfordert jetzt Sonnenlicht. Beobachtung Tag 13 Die körperlichen Veränderungen sind mittlerweile so umfassend, dass nichts mehr an das ursprüngliche Aussehen der Kreatur erinnert. Der gesamte Körper ist mit lebendigem Gewächs bedeckt. Jeden Tag finde ich neue Arten von Moos, Schimmel, Gras und anderen Pflanzen. Das Subjekt versucht, sich zu bewegen. Ich musste sie fixieren. Ich versuche, Kontakt aufzunehmen, aber sie macht nur unartikulierte Geräusche, die am ehesten mit einem Heulen zu vergleichen sind. Ob die Intelligenz in einer späteren Stufe der Regeneration ebenfalls wiederhergestellt wird? Beobachtung Tag 18 Das Subjekt hat mehrmals an Größe gewonnen. Sie ist nun schon seit einigen Tagen ... seltsam still. Langsam mache ich mir Sorgen. ich spüre, dass ich an ihr hänge. Sie wird mich berühmt machen! Beobachtung Tag 25 Mein Lebendexperiment zeigt alle Anzeichen von Gehorsam. Sie ähnelt einem kleinen Baum – einem wunderbaren gehenden Baum! Sie ist mittlerweile schon zweieinhalb Meter groß, und das Kind wächst immer weiter. Ich möchte ihr mehr Platz, frische Luft und Sonnenlicht geben. Außerdem werden wir wohl Dünger brauchen. Im Moment führe ich sie nur an einer Leine in den Wäldern spazieren. Das ist der größte Erfolg meiner Karriere! Bald bin ich bereit, nach Absalom zu reisen, um dort ... mein Meisterwerk zu präsentieren. Ich muss mir noch einen Namen für mein Mädchen überlegen ..."

Kosten
0 gp
Gewicht
0.5 lb
Labor-Tagebuch - Kingmaker