Schmutziges Tagebuch
"Nie zuvor wurden unsere Lande von so vielen Sorgen geplagt. Räuber halten die Straßen im Würgegriff. Bauern fliehen und lassen ihr gesamtes Hab und Gut zurück. Und nun diese schreckliche Krankheit: Ich habe es selbst gesehen, wie die Leute zuerst Fieber bekommen und dann Monster aus ihnen herausgekrochen kommen. Und unser ehrenwerter Baron sieht tatenlos zu und will nichts damit zu tun haben. Wenn das so weitergeht, muss er bald Steuern von Räubern und Monstern eintreiben, weil sonst niemand übrig ist. Da uns niemand hilft, weder die Götter noch der Baron, habe ich beschlossen, unser Land selbst zu retten. Ich kann nicht alle Räuber und Monster auslöschen, aber ich kann zumindest für ein wenig Gerechtigkeit sorgen. Gestern hat Großmutter Elsa ihr einziges Huhn verloren. Womit hat das einfache Volk all das verdient? Seht Euch Garald an, diesen hirnlosen Tyrannen. Er hat einen vollen Hühnerstall und immer genügend Eier und Fleisch. Ist das denn gerecht? Deshalb habe ich beschlossen, mich nachts in Garalds Hühnerstall zu schleichen und eines seiner Hühner zu stehlen. Er kann es mehr als verschmerzen. Ich habe das Huhn in Elsas Hühnerstall gesetzt. Die alte Frau wird am Morgen Freudensprünge machen. Garalds Hühner sehen ganz anders aus als das, das Elsa verloren hat, aber was soll's? Alle Eier schmecken gleich. Wichtig ist nur, dass für Gerechtigkeit gesorgt ist. Und unser Baron kann im Schloss sitzen und Däumchen drehen, bis er alt und grau wird. Es hat mir schon immer sauer aufgestoßen, dass der übellaunige Ralph so wohlhabend ist. Vor allem in so harten Zeiten wie diesen. Er hat bestimmt 20 Rinder oder mehr. Er badet im Leid seiner Nachbarn. Er freut sich diebisch, dass ihr Vieh nicht von der Weide zurückgekehrt ist, und verkauft ihnen seine Milch zu Wucherpreisen. Also habe ich seine Herde in der Nacht zur alten Hütte getrieben. Es gibt dort Wiesen in der Nähe, sie werden nicht verhungern. Und ich bringe die Milch ins Dorf und gebe sie den Bedürftigen. Wer weiß denn schon, woher ich sie bekomme? Ich habe die Herde versteckt, aber am nächsten Morgen konnte ich sie nicht mehr finden. Na ja, die Hörner, die Häute und die Schwänze habe ich gefunden. Dumm gelaufen. Aber zumindest wurde Ralph auf den Boden der Tatsachen geholt. Ich habe gestern einen wunderschönen Hengst auf der Straße gesehen, mit seltenem Fell. Er war blütenweiß, mit wunderschönen Flecken an den Flanken und so vielen glänzenden Medaillen am Sattel, dass ich geblendet war! Ich dachte mir, er muss wohl irgendeinem Geldsack gehören, der gerade austreten war. In einem Kampf hätte ich gewiss nicht gewonnen, aber seinen Hengst stehlen ... Kinderspiel. Hab ihn losgebunden, bin aufgesprungen und ins Dorf galoppiert. Ich habe den Hengst heimlich in Onkel Freys Hütte geführt. Sein alter Gaul wird bestimmt bald beim Pflügen tot umfallen. Heute wollte ich nach dem Hengst sehen, aber die Hütte war nur noch Asche und der Boden war voller Pferdespuren, wie von einer Kavallerieeinheit. Merkwürdig. Die Getreidespeicher dieses Gierschlunds Rickman platzen aus allen Nähten, aber er weigert sich, den Armen etwas abzugeben. Ich habe mich nachts reingeschlichen und einen Sack Getreide gestohlen. Habe ihn zu Tante Lucy gebracht. Der Sack war verteufelt schwer, aber ich wusste, dass ich etwas Gutes tue, das hat mir Kraft gegeben. Ich habe den Sack in ihrer Scheune versteckt. Aber tags drauf ist der verfluchte Rickman von seiner Scheune schnurstracks zu Lucys Scheune gegangen, als könne er sein Getreide riechen, und hat sich fürchterlich aufgeregt! Dieser Schuft. Wenn die Bauern irgendwann erfahren, wer ihnen die ganze Zeit geholfen hat, werden sie Lieder über mich dichten. Aber mein Herz schreit nach weiteren Heldentaten. Ich kann das Leid der Leute nicht einfach mitansehen. Ich muss das Leben wieder lebenswert für sie machen. Morgen gehe ich zum Versteck des Hirschkönigs und stehle die ganzen Schätze, die er mit seinen Beutezügen gegen arme Bauern und Flüchtlinge aus den umliegenden Ländern angehäuft hat. Die Wahrheit wird triumphieren. Und danach holen wir uns das Gold unseres Barons. Wollen wir doch mal sehen, was er in seinerSchatzkammer versteckt."
- Kosten
- 10 gp
- Gewicht
- 0.5 lb
