Tagebuch des Kommandanten (Erste Hälfte)
Der Foliant besteht aus in gutes Leder gebundenem, hochwertigem Pergament, ist aber zerschlissen und voller Schmutz. Die meisten Seiten fehlen. Auf der Innenseite des Einbandes entdeckst du eine mit ruhiger Hand verfasste Widmung: "Dieses Tagebuch gehört Rodvig Langebukk, dem Vierten Kommandanten der Bronzeschild-Festung". "Erastus 4498 Heute übergab mir mein Vater, Unthal Langebukk, das Kommando über die Bronzeschild-Festung und kehrte in das Fünfkönigsgebirge zurück. Er sagte, er wäre mittlerweile zu alt und möchte in den Minen seiner alten Heimat sterben, anstatt in diesem von Torag vergessenen Land. Er hat seinen Posten verlassen, was viele der Verteidiger missbilligen. Ich jedoch nicht. Ich mache ihm keinen Vorwurf. Nachdem ich mich von ihm verabschiedet hatte, kehrte ich zur Festung zurück, die nun mir gehört. Lamashan 4498 Viele Karren auf der Straße. Sie transportieren Getreide, Gemüse und Fleisch. Lamashan ist ein guter Monat. Die Zölle werfen selbst in schlechten Jahren gute Gewinne ab. Ein Jammer, dass sie nicht alles kompensieren, was wir während der anderen Monate für Lebensmittel ausgeben. Andernfalls wäre unsere jährliche Bilanz wenigstens ausgeglichen. Die Straße der Schilde hat uns ruiniert. Seit nunmehr 300 Jahren wachen unsere drei Clans auf eigene Kosten über das Leben der Menschen. Kuthona 4498 Selbst der Winter ist in diesem gottvergessenen Land kein richtiger Winter. Wann habe ich zuletzt Schnee gesehen? Ich meine echten Schnee, wie zu Hause im Fünfkönigsgebirge. Nicht die paar Schneeflocken, die hier gelegentlich fallen. Die hiesigen Bauern hätten in diesem Jahr vier Ernten einbringen können, wenn sie nicht so faul gewesen wären und etwas härter gearbeitet hätten. Der Winter ist zu mild in den Flusskönigreichen! Die verdammten Flüsse frieren einfach nicht fest genug zu, als dass unserer Straße als schnellster Handelsweg mit ihnen konkurrieren könnte. Was hat sich König Talhrik nur gedacht, als er ausgerechnet in den "Flusskönigreichen" den Bau einer Überlandstraße anordnete? Nun, vielleicht wollte er damit den einstigen Ruhm des Zwergenvolkes wiederherstellen. Vielleicht hoffte er, dass die Einheimischen die von Piraten heimgesuchten Wasserwege zugunsten der Sicherheit auf unserer Straße mit all ihren Festungen und Wachtürmen meiden würden. Jedenfalls weiß ich, was unsere Väter und Großväter dachten: dass bereits zu viele Ressourcen und Mühen in diese Straße investiert worden waren, um das Projekt einfach zu verwerfen. Sie hofften, dass sich irgendetwas ändern und dann Gold unsere Taschen füllen würde, so wie es König Talhrik versprochen hatte. Also opferten sie weiterhin Geld, Arbeit, Jahre ... und Leben. Abadius 4499 Zwerge sind sehr geduldig, aber jede Geduld hat Grenzen. Der Schatz des Langebukk-Clans ist beinahe aufgebraucht, und ich weiß, dass es den Woradashes und Skjegges nicht viel besser geht. Es ist albern und bitter, wenn man daran denkt, dass unsere Vorväter beim Bau dieser Festung mehrere Geheimräume für zukünftige Schätze angelegt haben. Es lässt sich nicht leugnen: Wir sind die letzte Generation der Schilde der Straße. Wenn nicht bald ein Wunder geschieht, müssen wir in Schande in das Fünfkönigsgebirge zurückkehren. Pharast 4499 Aus Rostland erreichen uns beunruhigende Neuigkeiten. Barbarenhorden sind in das Land eingefallen. Die Schwertfürsten flehen um Unterstützung, aber niemand kann ihnen helfen. Wir haben kaum noch genug Ressourcen, um die Garnisonen in unserer eigenen Festung zu versorgen. Wenn Rostland fällt, was wird dann aus dem Handel? Wer in aller Welt braucht dann noch die Straße der Schilde? Die restlichen Seiten fehlen.
- Kosten
- 0 gp
- Gewicht
- 0.5 lb
