Tagebuch des Waldläufers

"Ich habe schlechte Nachrichten für den Elf. Ich muss ihm sagen, dass seine Frau noch lebte, als er diesen Gang versperrte und aus dem Gewölbe floh. Wir sind bereits die dritte Gruppe, die er zusammengestellt hat, um die sterblichen Überreste seiner Frau aus den Höhlen zu bergen. Die ersten beiden haben nicht einmal den Schutt erreicht. Wir hatten mehr "Glück". Über einen Monat lang sind wir durch diese Hallen und Gänge gestreift. Wir zogen uns zurück, als wir auf Monster trafen, die einfach zu mächtig für uns waren, und schlichen uns dann zurück, um sie einzeln zu töten oder Wege zu suchen, sie zu umgehen. Schließlich schafften wir es. Keine Ahnung, wie der Elf diesen Ort überhaupt gefunden hat. Es ist so viel Zeit vergangen ... ein paar Dutzend Jahre, würde ich sagen. Aber er hat es geschafft. Er rief unseren Kinetiker zu sich und nickte in Richtung eines Geröllhaufens, der den Gang blockierte. "Mach den Weg frei", sagte er, ehe er zur Seite trat und sich abwandte. Ich nehme an, er erinnerte sich daran, wie die Monster seine Frau in die Dunkelheit gezerrt hatten, während er weggekrochen war und den Gang mit seiner letzten Bombe gesprengt hatte. Nachdem sie ein kleines Loch in das Geröll gesprengt hatten, kroch ich hinein, um einen Blick auf die andere Seite zu werfen. Schließlich bin ich der Späher der Gruppe. Als ich die andere Seite erreichte, wusste ich sofort, dass etwas nicht stimmte. Offensichtlich hatte auch hier jemand versucht, das Geröll zu entfernen. Ich suchte weiter und entdeckte Spuren eines vergangenen Kampfes. An den Felsen waren Brandspuren alchemistischer Bomben, und die Wände waren von zahllosen Schwerthieben zerkratzt. Und dann fand ich es – ein verlassenes Lager mit behelfsmäßigen Werkzeugen, in dem wer auch immer versucht hatte, das Geröll zu entfernen, gelebt haben muss. Nachdem ich das Lager untersucht und einige Gegenstände eingesammelt hatte, war ich mir fast sicher, dass dieser Jemand die Frau des Elfen gewesen war. Es ist wirklich ein Fluch, ein Späher zu sein. Ständig geht man die größten Risiken ein und muss der Gruppe schlechte Neuigkeiten überbringen. Du solltest dich schämen, Drache. Warum hast du mich nicht gewarnt? Aber vielleicht wusstest du es ja nicht ... *** Der Elf schien die Nachricht mit Fassung zu tragen. Es ist schwer zu sagen, ob er angesichts dieser Wendung bestürzt ist. – Er ist einfach nur aschfahl und schweigt. Er sagt kaum kein Wort. Ab und an lodert aber ein Feuer in seinen schwarzen Augen. Ich nenne ihn "Großvater", obwohl der Elf jünger als ich wirkt. Er nennt mich seinerseits "Rotschopf". Tja, wenigstens mit mir spricht er gelegentlich. Dem Rest der Gruppe schenkt er kaum Beachtung. Ich denke, er hat beschlossen, die Gebeine seiner Frau zu suchen, um sich neben sie zu legen und zu sterben. Nachdem er uns im Voraus bezahlt hat, kann mir das eigentlich egal sein. Oder? Wir haben den restlichen Schutt beseitigt und unseren Weg fortgesetzt. *** Ich habe ein zweites Lager gefunden. Ich denke, die Frau hat sich hierher zurückgezogen, als sie erkannte, dass sie den Schutt niemals würde entfernen können. Das Lager liegt an einem unterirdischen See und ist deutlich komfortabler. Es gibt eine Feuerstelle aus Stein, einfache Regale und eine Schlafnische, die angelegt wurde, um die aus dem Wasser aufsteigende Kälte abzuhalten. Die Wände der Höhle zieren Kieselstein-Mosaike. Die Frau hat allerlei Dinge angefertigt: Blumen und Tierfiguren, die Sonne, den Mond ... Ich habe mir alles angesehen und wusste nicht, wie ich den Elf jemals hierher bringen sollte. Alles deutete darauf hin, dass sie überlebt und nie aufgegeben hatte. Sie hat gewartet ... und zwar ziemlich lange. Allerdings hat sie das Lager vor sehr langer Zeit verlassen. Ich entdeckte zahllose Spuren von Monstern. Und noch etwas, das aussah, wie ... nein, ich sollte diesen Gedanken aus meinem Kopf verbannen. Als ich zu den anderen zurückkehrte, hörte ich das erschreckendste Geräusch, das man sich in diesen Gewölben vorstellen kann. Ein sanftes Lied hallte durch den Stollen. Den Wortlaut konnte ich auf diese Entfernung allerdings nicht verstehen. Ich lief ... froh, entkommen zu sein. Ich werde den anderen sagen, dass ich ein leeres Lager entdeckt habe, das wir besser meiden sollten. Es ist viel zu gefährlich dort. Wir wollen schließlich nicht der bösartigen Sängerin begegnen, oder? Nein, das wollen wir nicht! Selbst der Drache hatte uns gewarnt, was für ein schreckliches Monster sie ist. Und wenn wir uns von diesem unterirdischen See fernhalten, muss der Elf niemals das Mosaik an der Wand sehen."

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Tagebuch des Waldläufers - Kingmaker