Calistria
Gottheiten und Domänen
Calistria ist die am häufigsten verehrte Elfengöttin auf Golarion, eine uralte Gottheit mit einem guten Gedächtnis für lange zurückliegende Kränkungen – mysteriös, verführerisch, temperamentvoll und leidenschaftlich gleichermaßen. Auch wenn die meisten ihrer Anhänger Elfen sind, erfreut sie sich auch bei anderen Völkern großer Beliebtheit, da annähernd jeder irgendwann das Feuer der Lust, die Faszination der Täuschung oder den Drang nach Rache verspürt hat. Sie ist weniger spirituelle Führerin des Volkes der Elfen, als vielmehr ein Eckpfeiler ihrer Kultur – sie drängt sie niemals zum Handeln, ist allerdings stets bereit, ihnen zur Seite zu stehen, wenn die Zeit zum Handeln gekommen ist. Der Lustvolle Stachel ist eine heißblütige Manifestation aller elfischen Eigenschaften, die andere Völker faszinieren und Frauen und Männer gleichermaßen mit ihrem rohen, sexuellen Magnetismus anzieht. Ihre Schönheit wird in der Regel als sinnlich, begehrenswert und erregend beschrieben – oder mit sehr viel vulgäreren Begriffen. Wenn er die bekleidete Calistria ansieht, fragt sich der Betrachter, wie sie wohl nackt aussehen mag. Ihr nackter Körper treibt seine Neugier an noch intimere Orte. Auch wenn sie sich selbst als weiblich erachtet, sind auch Fälle bekannt, in denen Calistria eine männliche Gestalt angenommen hat, die attraktiv genug ist, jeden Sterblichen erröten und die Knie erzittern zu lassen. Sie ist boshaft, verwirrend, verschlagen und äußerst wortgewandt und entwaffnet ihre mächtigsten Rivalen mit schönen Worten, die – bei sorgsamer Betrachtung – sich oft genug als demütigende Beleidigungen entpuppen. Sie "ergibt sich", indem sie ihre Feinde überzeugt, ihre Waffen zu strecken, hält Verehrer jahrzehntelang mit der Aussicht auf verlockende Belohnungen hin und überlistet mit einem Augenaufschlag auch die brillantesten Sterblichen. Obwohl sie über einen ausgeprägten und scharfen Sinn für Humor verfügt, erachtet sie dumme Witze und grobe Streiche als einer Göttin unwürdig, die den Inhalt einer stundenlangen Rede in einer einzigen, kleinen Geste und ein Leben voller Emotionen in einem einzigen sorgfältigen Blick ausdrücken kann. Lügen sind ihr Speis und Trank, Halbwahrheiten ihr bevorzugter Wein und Doppeldeutigkeiten ein köstliches Dessert. Calistria liebt eine schnelle Lösung für belanglose Kränkungen, ist jedoch geduldig, unnachgiebig und gnadenlos, wenn sie ernsthafter beleidigt wurde, und wild entschlossen, den Schuldigen mit einer Kunstfertigkeit zu bestrafen, die den Horizont jedes Sterblichen übersteigt. Calistria vergibt nicht, sie vergisst nicht – und jeder Beweis des Gegenteils ist Teil ihres Plans, einen Gegner auf möglichst schmerzhafte Weise zu treffen, nachdem dieser die Möglichkeit einer Vergeltung für längst vergangen hält. Sie ist eine Göttin der Rache, nicht der Gerechtigkeit, und ist nicht geneigt, auch nur ein Stück von ihrer Devise "Auge um Auge" abzuweichen. Wenn ihre Reaktion das Maß übersteigt, das andere für angemessen halten würden, sollte es jenen, die ihr in die Quere kommen, als Lektion dienen. Zwar ist sie großzügig und umgänglich jenen gegenüber, die nicht ihren Zorn auf sich gezogen haben, doch eigentlich ist Calistria wankelmütig und ändert ihre Neigungen je nach Bedürfnis und Laune. Ihre Wandelbarkeit ist nicht bösartig – sie ist vielmehr nicht interessiert daran, dass Beziehungen zu stark oder zu emotional werden, und hält derartige Bindungen für töricht. Die meisten ihrer Partner und Verbündeten akzeptieren die Zuneigung, die sie ihnen gewährt, und ziehen dann weiter. Aber jene, die die Jagd noch fortsetzen, nachdem sie es müde geworden ist, die Beute zu sein, lernen ihre scharfen und unfehlbaren Klauen kennen. Sie sieht die Liebe nur als Schwäche, ein nutzloses Nebenprodukt körperlicher Freuden. Calistria begrüßt die Anbetung eines jeden Sterblichen, der begehrt, betrügt oder nach Rache strebt. Sie hört die Gebete der Guten, der Bösen, der unschuldig Angeklagten, der Selbstsüchtigen, der Kriminellen und Liebestrunkenen gleichermaßen. Wenn die Taten eines Sterblichen – ungeachtet seiner Methoden oder Motive – ihre Neugier wecken, verfolgt sie ihr Ergebnis und hilft möglicherweise dabei, es zu erreichen. Deshalb hat sie viele, wenn auch meist nur vorübergehende Anhänger. Sie suchen ihre Aufmerksamkeit nur, wenn sie diese benötigen, so wie auch sie sich nur mit denen beschäftigt, die ihr Interesse wecken – das stellt sie zufrieden und sie erwartet nicht mehr. Manche Sterbliche, die nicht in der Lage dazu sind, ihre wechselnden Interessen und Bündnisse nachzuvollziehen oder zu verstehen, werfen Calistria Bosheit vor. Doch in Wahrheit setzt sie sich einfach nur über die Moral hinweg. Sie scheut richtig, falsch und gerecht, weil sie weiß, dass das Universum kein gerechter Ort ist. Wenn andere beschließen, ihrem Weg zu folgen, ist es ihr einerlei. Wenn einige durch solch eine Entscheidung verletzt werden, steht sie als Mahnung, dass jede Kreatur das Recht – und die Verantwortung – hat, ihre Verletzungen zu rächen. Calistria wird in der Regel als wunderschöne Elfenfrau dargestellt, die ein figurbetontes schwarzes Kleid mit goldenen Akzenten trägt – häufig mit einem schwarzen oder goldenen Schleier, der von ihren Armen fällt oder verführerisch ihr Gesicht verhüllt. Ihre Augen sind dunkel und mysteriös, blitzen jedoch manchmal vor Leidenschaft oder Wut golden auf. Üblicherweise wird sie mit Riesenwespen gezeigt, ihren Lieblingskreaturen – denn anders als Bienen, können Wespen wieder und wieder stechen, ohne sterben zu müssen. In ihrer männlichen Form trägt sie meist eine maskuline Version ihrer normalen Kleidung mit schwarzen Beinlingen und einem lockeren goldenen Wams und Umhang. Die Augen glühen vor unverhohlener Leidenschaft. Abhängig von der Einstellung der umgebenden Gesellschaft, scheuen Calistrias Anhänger auch nicht davor zurück, sie in skandalöserer Kleidung oder expliziten Situationen zu zeigen und sexuell freizügige Kunstwerke, die die Göttin darstellen, sind weit verbreitet. Calistrias heiliges Symbol sind drei Dolche, die aus einem Kreis nach außen weisen (die für ihre drei Aspekte stehen). Viele ihrer Geistlichen tragen ihr zu Ehren Dolche. Die meisten ihrer Priester sind Kleriker oder Barden, obwohl an manchen Orten auch exotischere Zauberkundige zu ihren Geistlichen zählen. Und sogar manche Nicht-Zauberkundigen erreichen – abhängig von ihrem Scharfsinn und ihren Leistungen – einigermaßen bedeutende Positionen in ihrer Priesterschaft. Zu ihren Titeln gehören "der Lustvolle Stachel", "die Dame im Zimmer" und "das Unlöschbare Feuer" ebenso wie zahlreiche vulgäre Beinamen, die ihr von jenen außerhalb des Glaubens verliehen wurden. Gesinnung: chaotisch neutral Kleriker-Gesinnung: CG, N, CN, CB Domänen: Domäne des Chaos, Domäne der Verzauberung, Domäne des Wissens, Domäne des Glücks, Domäne der Tricks Bevorzugte Waffe: Rapier
