Gyronna

Gottheiten und Domänen

Die Göttin Gyronna hütet brodelnden Hass und umhegt Ansprüche und Dunkelheit in den Herzen Sterblicher. Die Abergläubischen und Dummen nennen Gyronna "die Zornige Hexe" oder "die Vettelkönigin", Göttin der verachteten Frauen. Ihre Priesterschaft besteht hauptsächlich aus ausgenutzten und von der Gesellschaft verstoßenen Frauen, aber Gyronna repräsentiert einen wesentlich dunkleren Impuls als nur verletzten Stolz. Sie ist der Dornenstrauch, der aus unfruchtbarer Erde erwächst. Ihr Einflussbereich ist nicht die Verachtung, sondern der Hass, der in einem verwundeten Herz wächst, das niemals heilen kann, und die furchtbaren Dinge, die aus kleinen und gedankenlosen Boshaftigkeiten erwachsen. Wenn Vertrauen und Liebe versagen, füllt sie diese Leere mit der Kraft brodelnder Rache und bitteren Ansprüchen. Es gibt nur wenige übereinstimmende Quellen zu Gyronnas Herkunft, und ihre Kulte bringen unauffällig jeden zur Strecke, der Nachforschungen anstellt. Viele glauben, dass sie aus der Ersten Welt stammt, wo sie eine bösartige, manipulative Feenprinzessin gewesen sein soll. Als sie einer mächtigen Rivalin in die Quere kam – meist werden Baba Jaga oder Magdh genannt –, wurde die unsterbliche Dilettantin mit Missbildungen gestraft und ins Reich der Sterblichen verstoßen. Andere Geschichten stellen sie als drei streitende Schwestern dar, die dasselbe Schicksal ereilte: Sie wurden so verstümmelt, dass sie sich aneinanderlehnen mussten, um überhaupt stehen zu können, und verschmolzen schließlich zu einer einzigen abscheulichen, hasserfüllten Kreatur. Als Folge ihrer Verbannung sind Freundlichkeit und Anstand für Gyronna nur Tropfen vergifteten Honigs und sie würde die ganze Welt in Schutt und Asche legen, um diese Art von Hohn und Betrug auszulöschen. Gyronna wird selten als ganze Figur dargestellt, sondern oft nur als das blutunterlaufene Auge, das ihre Anhänger als ihr unheiliges Symbol verwenden. Ihre seltenen Manifestationen sind chaotisch und ändern sich unvermittelt, während sie spricht: Sie wirkt manchmal altersschwach, lebhaft und jung, wunderschön, verkümmert und tot, glücklich, traurig oder wütend. Alten Geschichten zufolge hat die Zornige Hexe keine wahre Form neben dem einzelnen, hervortretenden Auge, durch das sie die Schatten sieht, die selbst noch vom hellsten Licht geworfen werden. Nur ihr Geschlecht bleibt immer gleich – wobei sie sehr unterschiedliche Frauenbilder präsentiert –, ebenso wie die zerlumpten Gewänder, in die sie sich kleidet. Das Wohlwollen der Zornigen Hexe zeigt sich im Unglück, das diejenigen befällt, die ihre Anhänger verärgern, oder in kleinen, leidenden Tieren, die streunende Katzen hereinbringen. Wer ihren Zorn erregt, muss damit rechnen, dass kleinere Versehen katastrophale Folgen nach sich ziehen, Berührungen Pflanzen verwelken und Tiere erkranken lassen und es zu vorzeitiger Alterung kommen kann. Ordnung und Hierarchien widern Gyronna an. Ihr Glaube wird in verborgenen Kulten praktiziert, die man Zirkel nennt, und verbreitet sich durch leises Geflüster oder verzweifelte, mitternächtliche Indoktrinationen. Ihre Lehren betonen die Erfüllung persönlicher Bedürfnisse und die Ablehnung der leeren Versprechen der Gesellschaft, es sei denn, diese lassen sich zum eigenen Vorteil nutzen. Angeführt werden ihre Kultisten von Frauen in unglücklichen Ehen, die entweder von ihrer wichtigsten Bezugsperson betrogen wurden oder ihrerseits wegen eines solchen Betrugs von ihrer Gemeinde bestraft und verstoßen wurden. Der Schmerz solcher und ähnlicher Begebenheiten pflanzt den Samen, aus dem durch Gyronnas Lehren giftige Früchte wachsen. Keine Wunde aus Bosheit ist ungerechtfertigt, kein Preis der Rache zu hoch. Alle vergangenen Qualen erfordern, dass anderen neues Leid zugefügt wird. Einzelne Anhänger handeln öffentlich oder geheim, aber Gyronna-Zirkel treffen sich immer im Verborgenen und verschleiern ihre Identität durch Kapuzen oder Masken. Bei Nacht, in der ungezähmten Wildnis oder in verfallenen Ruinen zwischen Ungeziefer und Fäulnis, teilen die Gläubigen Geheimnisse miteinander, beten, bringen Opfergaben, tauschen Gifte und schwarze Magie aus und drängen sich gegenseitig dazu, ihnen bei persönlichen Ritualen oder Verschwörungen zu helfen. Anführerin wird diejenige, die die meisten Schwestern zur Zustimmung zwingen oder als Unterstützerinnen gegen andere Herausforderinnen gewinnen kann. Zirkel werden oft von Vetteln oder grausamen Wechselbälgern angeführt. Ein vollständiger Vettelzirkel kann starke, einflussreiche Kulte befehligen, die ihm als Augen und Ohren in größeren Gebieten dienen. In diesem Fall führen Gyronnas sterbliche Anhänger fast nur noch die Wünsche ihrer Herrinnen aus, helfen bei der Durchführung von Intrigen, beschaffen Opfer für Folterungen und entführen gesunde Kinder, die sie gegen ihre eigene Wechselbalg-Brut austauschen. Gyronna-Gläubige sind fast ausschließlich Frauen, aber es ist keinesfalls eine Religion, die dieses Geschlecht verherrlicht oder schützt. Frauen außerhalb des Glaubens – und auch unbedarfte Gläubige – werden als geeignete Ziele für Gewalt, Erpressung und Flüche angesehen. Schlüsselelement von Gyronnas Philosophie ist die Pflege des Anspruchs, der durch ein Leben erwächst, das von Wohlstand, Schönheit oder politischer Macht gesegnet wurde. Ihre Kirche kann mit den Armen oder anderen gesellschaftlichen Randgruppen nichts anfangen. Verbitterte aus diesen Gruppen können zwar an den Kulten teilhaben, gewinnen aber nur selten das Wohlwollen der Göttin oder an Einfluss, es sei denn, sie verfügen über herausragende magische Fähigkeiten. Ihr Kult hat kein sonderliches Interesse daran, geschlechtsbezogene Vorurteile aufzulösen oder das Leben von Frauen im Allgemeinen zu verbessern. Die meisten Anhänger nutzen die althergebrachten Geschlechterrollen eher aus, um ihre Aktivitäten zu verschleiern oder das Fundament für den Hass potenzieller zukünftiger Konvertiten zu legen. Dass Gyronna hauptsächlich von Frauen verehrt wird, liegt eher daran, dass die Göttin den Zorn von Männern als stumpf und unbeholfen empfindet. Sie ist eine Winzerin der Heimtücke, die über Monate oder Jahre ein kaltes, verbittertes Herz heranwachsen lässt und keinen Nutzen in Anhängern sieht, die ihrer Selbstüberschätzung oder falschen Selbstwahrnehmung zum Opfer fallen, welche sie bei Männern als gegeben ansieht. Sie straft Männer, die um ihr Wohlwollen bitten, mit Impotenz, was ihrer Ansicht nach ihr Temperament zügeln soll. Dieses Risiko schreckt nahezu alle Männer ab, aber einige glauben trotzdem, dass ihre potenzielle Unterstützung bei Rachefeldzügen das Risiko wert sei, sodass sie letztendlich einen Platz in ihrem Kult finden. Da Gyronna eine verschwiegene und paranoide Göttin ist, bauen ihre Anhänger nur selten große Tempel. Stattdessen beanspruchen sie Orte von großer natürlicher Schönheit, weit weg von neugierigen Augen, und widmen sie der Zornigen Hexe. Jeder Ort wird mit einem Altar aus Steinen geweiht, auf dem ein faustgroßer Stein mit aufgemaltem Auge oder (bei einflussreicheren Zirkeln) ein riesiger Edelstein thront. Ihre Anhänger behaupten, dass Gyronna – ebenso wie die Vetteln, die dem Kult dienen – durch diese Steine blicken und Verurteilungen und Flüche aussprechen kann. Besonders ehrgeizige Zirkel sind dafür bekannt, riesige Monumente oder Steinkreise an den Stätten von Naturwundern zu errichten, um die Feenwesen oder Druiden, die diese zuvor geschützt haben, zu verhöhnen. Stätten, die von Gyronnas Priesterinnen aufgesucht werden, entwickeln eine Düsternis und Klammheit, die zu einem Gefühl nahenden Unheils verschmelzen. Giftige Kreaturen und Pflanzen gedeihen in und an ihren Schreinen. Anhänger der Zornigen Hexe kennzeichnen diese Stätten auf eine Art, die nur für Gläubige ersichtlich ist. In städtischen Gebieten werden diese Stätten durch drei konzentrische Kreise markiert, die an ein Auge erinnern und in Verzierungen und Mauerwerk eingearbeitet sind. In ländlichen Gegenden hängt ein Zirkel gewobene Kugeln oder Kreise an Ästen auf oder malt ein Auge auf Bäume oder Felsen. Diese Grenzmarkierungen sollen andere Gyronna-Anhänger warnen, aber Kultanhänger sehen sie auch als ausreichend für alle anderen Vorbeikommenden an und halten daran fest, dass jeder, der in ihr Territorium eindringt, das ihn ereilende Schicksal verdient. Gesinnung: Chaotisch böse Kleriker-Gesinnung: CN, NB, CB Domänen: Chaos, Zerstörung, Böses, Wahnsinn Bevorzugte Waffe: Dolch

Gyronna — Kingmaker