Nethys

Gottheiten und Domänen

Alte osirianische Legenden erzählen vom Gottkönig Nethys, einem Mann, dessen monomanes Streben nach Magie ihm und seinem bohrenden Blick die Struktur der Realität eröffnete, wodurch er die Geheimnisse der Schöpfung in dieser Welt und dem Großen Jenseits erfuhr. Der Anblick katapultierte ihn zur Göttlichkeit und beraubte ihn seines Verstandes, wodurch fortan zwei Seelen in einem Körper wohnten. Nun versucht sein zerbrochener Verstand, sowohl die Welt durch deren Zerstörung zu reinigen als auch sie davor zu beschützen und sie zu heilen, sie zu beugen und zu bewahren, sie zu erobern und gleichzeitig zu befreien. Nethys ist ein Gott mit zwei gegensätzlichen Persönlichkeiten und anfällig für plötzliche und unerwartete Gefühlsumschwünge. Er lehrt, dass der Gebrauch von Magie zu ihrem eigenen Zweck die oberste Bestimmung der Sterblichen ist und vereinigt alle, die magische Studien betreiben, denn nur durch Magie kann sich die Realität selbst verändern. Er kümmert sich nicht um die Art der betroffenen Magie oder die Zwecke, zu denen die Leute sie nutzen. Für ihn zählt allein, dass sie sie ehren und sich an ihren Gaben erfreuen. Er vertritt alle Formen der Magie, von den gütigsten Heilzaubern bis hin zur niederträchtigsten Nekromantie, und sterbliche Zauberkundige aller Gesinnungen bitten ihn um seinen Segen. Nethys’ einziges Anliegen ist die Magie – ihre Verwendung, ihre Erschaffung und Innovation. Er ist sich seiner sterblichen Jünger bewusst und belohnt ihre Hingabe mit göttlicher Macht, doch nicht nur wegen ihrer magischen Tätigkeit. Wenn ein sterblicher Tyrann den Gebrauch von Magie verbietet, erwartet Nethys von seinen Anhängern eine Intervention, ohne selbst zum Kreuzzug aufzurufen. Gleichermaßen erlangen jene seine Gunst, die neue Wege der Magie beschreiten, egal welcher Wesensart ihre Magie sein mag. Seine umfassende Achtsamkeit bedeutet, dass er jeden Erfolg und jedes Scheitern mitansieht, vom ersten Trick eines frischgebackenen Wald- und Wiesenzauberers bis hin zu den Grundlagen der Sternexplosionsmagie, die auf dem entferntesten Planeten entwickelt wurde. Andere Götter können elterliche Rollen für ihre Kirchen annehmen, doch Nethys verhält sich eher wie der sprunghafte, leidenschaftslose Bewacher eines Vermögens, den die einzelnen Erben nicht kümmern, solange das gewaltige Familienerbe irgendwie fortgeführt wird. Erkundungen, die mithilfe von Gemeinschaftszaubern und ähnlichen Zaubern durch das Allsehende Auge durchgeführt wurden, sorgen stets für akkurate Informationen, doch sein Umgangston ändert sich nur allzu schnell von amüsiert zu kühl und weiter zu enttäuscht und wütend – ohne erkennbaren Grund. Andere Gottheiten haben versucht, seinen zerstreuten Verstand und die gewalttätigen Stimmungsschwankungen zu stabilisieren oder zu heilen, doch er versteht jeden Fortschritt unmittelbar als Schwund seiner Energie und negiert ihre Anstrengungen. Seine Verbündeten haben gelernt, ihn aufgrund seiner Weisheit trotz seiner fortwährend veränderlichen Art zu tolerieren, halten allerdings stets gebührlichen Abstand. Nethys ist ein Befürworter der Magie zu jedem Zwecke, selbst wenn dieser albern oder verschwenderisch ist. Magie ist eine unendliche Ressource, die alle Dimensionen betrifft, weswegen er darauf beharrt, dass es keine Beschränkung des Gebrauchs benötige – aus Furcht vor ihrer eventuellen Vergänglichkeit. Für ihn sind magieentleerte Orte wie die Manaöden Anomalien, Tumore in der Welt, die herausgeschnitten werden können und müssen. Der Umgang damit ist allerdings nicht vorrangig, solange sie sich nicht ausdehnen und den natürlichen Magiefluss der anderen Gebiete gefährden. Nethys steht Technologie offen gegenüber, solange sie die Magie nicht beeinträchtigt oder sie ersetzt. Die Verbindung von Technologie und Magie hält er für durchaus reizvoll. Nethys erscheint normalerweise als männlicher, vor Kraft strotzender Mensch, dessen eine Seite verbrannt und zerrüttet ist, während die andere Hälfte ruhig und gelassen wirkt. Diese Dualität wird in der Kunst stark betont: Der Gott wird oft dabei dargestellt, wie seine gebrochene Seite schreckliche Magie wirkt, während seine gute Seite gleichzeitig die Wunden heilt, die er damit verursacht hat. Obwohl er normalerweise als Garundi dargestellt wird, weichen einige regionale Tempel davon ab und zeigen ihn als Mitglied eines bedeutenden lokalen Volkes oder als einen Azlanti. Abgesehen von seinem Bestreben, die Magie und jene zu fördern, die sie praktizieren, steht Nethys sowohl Sterblichen als auch Gottheiten überwiegend gleichgültig gegenüber. Bitten um Gnade oder Gerechtigkeit, Anstiftungen zu Gewalt oder Aufrufe zu Fairness oder Gleichgewicht der Kräfte zeigen bei ihm keinerlei Wirkung. Er handelt nur im Interesse der Erweiterung des magischen Wissens oder aus der Laune heraus, ist sonst jedoch unvorhersehbar und unzuverlässig. Er ist nicht dafür bekannt, seinen Anhängern oder Feinden in Form von göttlichen Interventionen Gunst oder Zorn zu zeigen, was viele seiner Verehrer mit Stolz erfüllt. Einfache Leute und vor allem Bauern glauben, dass das Aussprechen seines Namen dabei hilft, Flüche, Zauber, den Bösen Blick und anderen Aberglauben abzuwenden, doch seine völlige Nichtbeachtung jener, die keine Magie praktizieren, führt dazu, dass diese Anrufungen auf taube Ohren stoßen. Die Getreuen glauben, dass Zonen der unvorhersehbaren Magie dort erscheinen, wo Nethys der Materiellen Ebene nahekommt, doch es gibt keinerlei Bestätigung dafür durch den Gott selbst. Seine Kirche lehrt, dass das Auftreten von Zonen der "leeren Magie" (wo Magie einfach nicht funktioniert) Hinweise auf seinen Zorn auf irgendjemanden oder irgendetwas in diesem Gebiet sind. Dies konnte allerdings nicht verifiziert werden. Sein heiliges Symbol ist sein Gesicht, zur Hälfte schwarz, zur Hälfte weiß, das entweder sehr detailliert oder auch in abstrahierter Form nur als zweifärbige, schildförmige Maske ohne Löcher zu sehen ist. Gesinnung: Neutral Kleriker-Gesinnung: NG, RN, N, CN, NB Domänen: Zerstörung, Wissen, Magie, Schutz, Rune Bevorzugte Waffe: Kampfstab

Nethys — Kingmaker